Emotional Design
Die Emotional Design-Forschung ist ein noch recht junges Forschungsfeld. Untersucht wird, ob multimediale Lernmaterialien so gestaltet werden können, dass sie Emotionen fördern, die das Lernen und die damit verbundene Lernleistung verbessern. Zum einen fragen Studien zum Emotional Design also nach dem Einfluss der Gestaltung von Lernmaterialien auf Emotionen von Schüler:innen als affektive Variablen. Zum anderen analysieren sie den Einfluss der Gestaltung von Lernmaterialien auf Lernprozesse und -leistungen von Schüler:innen als kognitive Variablen. Ziel der Emotional Design-Forschung ist es, affektive Gestaltungsprinzipien unter Beobachtung und Optimierung kognitiver Prozesse zu entwickeln und zu erproben.
Ein bereits auffallend häufig untersuchtes Gestaltungsprinzip ist das des Anthropomorphismus. Nicht-menschliche Entitäten werden hier systematisch vermenschlicht. Auf Ebene des Bild-Designs geschieht dies durch Übertragung menschlicher Gestalt. So erhalten Krankheiterreger und Immunzellen in multimedialen Lerneinheiten zur Immunreaktion zum Beispiel Gesichter.
Einschlägige Studien kommen zu teils inkonsistenten Ergebnissen, was die Induktion vor allem positiver Emotionen und die Verbesserung der Verstehensleistung etwa durch das Emotional Design bei Schüler:innen angeht. Um die empirische Basis und damit das Verständnis vom Einfluss der Gestaltung von Lernmaterialien auf die genannten Variablen zu stärken, ist weitere Forschung notwendig.
Über diese allgemeine Notwendigkeit weiterer Forschung hinaus sollen im Zuge des Projektes insbesondere zwei Lücken in der Emotional Design-Forschung konkret adressiert werden. Eine erste Forschungslücke existiert in der Schnittstelle zur Vorstellungsforschung. Bislang wurde nicht untersucht, ob und inwiefern das gezielte Übertragen menschlicher Gestalt auf biologischen Lerninhalt sogenannte Alltagsvorstellungen fördert. Alltagsvorstellungen sind Vorstellungen, die aus persönlichen Erfahrungen der Schüler:innen resultieren. Sie liefern intuitive Erklärungen für biologische Zusammenhänge, sind aufgrund ihrer Zugänglichkeit aber nicht automatisch auch fachlich richtig. Eine zweite Forschungslücke betrifft das Alter der Schüler:innen. Da ein Großteil der Erhebungen bislang mit Hochschulstudierenden durchgeführt wurde, widmet sich das Projekt bewusst auch jüngeren Schüler:innen der Sekundarstufe I.
